1. Prüfen Sie, ob der Kalibrierschein zum richtigen Gerät gehört
Vergleichen Sie Gerätebezeichnung, Hersteller, Modell und Seriennummer mit Ihrem Gerät. Achten Sie besonders auf die Seriennummer, wenn Sie mehrere Geräte desselben Modells haben. Prüfen Sie auch die Scheinnummer, das Kalibrierdatum und die ausstellende Organisation.
2. Sehen Sie nach, bei welchen Werten kalibriert wurde
Kalibrierpunkte zeigen, bei welchen Werten das Gerät geprüft wurde. Ein Thermometer kann beispielsweise bei 0 °C, 50 °C und 100 °C kalibriert worden sein. Prüfen Sie, ob diese Punkte und die angegebenen Umgebungsbedingungen für Ihren Einsatz ausreichen. Der Messbereich des Geräts allein genügt dafür nicht.
3. Verstehen Sie die Messabweichung anhand eines Beispiels
Der Referenzwert dient als Vergleichswert. Die Geräteanzeige ist der Wert, den Ihr Gerät anzeigt. Beträgt der Referenzwert 100,0 °C und zeigt das Thermometer 100,4 °C an, misst es an diesem Punkt um 0,4 °C zu hoch. Ist die Abweichung als Geräteanzeige minus Referenzwert definiert, beträgt sie +0,4 °C; die zugehörige Korrektion beträgt −0,4 °C. Prüfen Sie Spaltenüberschriften, Vorzeichenkonventionen und Einheiten. Übertragen Sie diese beispielhafte Korrektion nicht auf alle Temperaturen.
4. Verstehen Sie, was Messunsicherheit bedeutet
Die Messunsicherheit beschreibt, wie genau sich ein Ergebnis angeben lässt. Sie ist weder die Messabweichung des Geräts noch die zulässige Fehlergrenze. Lesen Sie den Unsicherheitswert, seine Einheit und gegebenenfalls die Erläuterung zum Erweiterungsfaktor (k) zusammen. Bei Ihrer Anwendung können auch Umgebung, Messverfahren und Bedienperson zur Unsicherheit beitragen.
5. Beurteilen Sie, ob das Ergebnis Ihre Anforderungen erfüllt
Ein Annahmekriterium ist eine vorab festgelegte Grenze für Ihre Messaufgabe. Wenden Sie beim Vergleich der Ergebnisse mit dieser Grenze auch die Entscheidungsregel an, die festlegt, wie die Messunsicherheit berücksichtigt wird. Enthält der Kalibrierschein eine Konformitätsaussage, prüfen Sie die zugrunde liegende Grenze und Regel. Fehlt eine solche Aussage, ist das Gerät nicht automatisch ungeeignet; die Ergebnisse müssen für den vorgesehenen Einsatz bewertet werden. Klären Sie offene Fragen mit dem Kalibrierdienstleister oder Ihrer qualitätsverantwortlichen Person.
6. Ergänzen Sie die Geräteakte um Ihre Bewertung
Bewahren Sie den Kalibrierschein in der Geräteakte auf. Dokumentieren Sie die prüfende Person, das Prüfdatum, die Entscheidung zur Verwendung und den nächsten Überprüfungstermin. Werden Ihre festgelegten Grenzen nicht eingehalten, nehmen Sie das Gerät außer Betrieb und informieren Sie die zuständige Person. Prüfen Sie auch, ob frühere Messungen mit dem Gerät betroffen sein könnten.
Weiterführende Informationen
Zu Begriffen der Metrologie finden Sie Informationen in den JCGM-Publikationenund zu Kalibrierintervallen in den ILAC-Leitfäden . Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Geräte- und prozessspezifische Bewertungen erfolgen unter Berücksichtigung der jeweiligen Anforderungen.