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Warum Kalibrierung und Messzuverlässigkeit für Industrie 5.0 wichtig sind

8. September 2026

Produktionsentscheidungen stützen sich zunehmend auf Sensoren und Messgeräte. Eine automatische Aufzeichnung belegt jedoch nicht, dass ein Wert für eine Entscheidung ausreicht. Falsch interpretierte Messungen können zur Ablehnung konformer oder zur Annahme nichtkonformer Produkte führen. Bei der Umsetzung von Industrie 5.0 müssen Bedeutung und Grenzen der Daten sichtbar sein, damit Menschen fundiert entscheiden können.

Was leistet eine Kalibrierung?

Das Internationale Wörterbuch der Metrologie beschreibt Kalibrierung als Ermittlung der Beziehung zwischen Referenzwerten und Geräteanzeigen einschließlich ihrer Unsicherheiten unter festgelegten Bedingungen sowie deren Nutzung zur Gewinnung von Messergebnissen. Kalibrierung und Justierung sind unterschiedliche Vorgänge. Ein Zertifikat allein genügt nicht: Messbereich, Ergebnisse und Unsicherheit müssen für die vorgesehene Verwendung bewertet werden. Quelle: JCGM VIM, Eintrag 2.39.

Rückführbarkeit ist mehr als digitale Dokumentation

Metrologische Rückführbarkeit verbindet ein Messergebnis über eine dokumentierte, ununterbrochene Kalibrierkette mit einer Referenz; jeder Schritt trägt zur Unsicherheit bei. Eine Datei in der Cloud oder ein QR-Code am Gerät stellt diese Verbindung allein nicht her. Solche Werkzeuge erleichtern die Dokumentation. Rückführbarkeit garantiert zudem nicht automatisch, dass die Messunsicherheit für einen bestimmten Zweck ausreicht. Quelle: JCGM VIM, Eintrag 2.41.

Anwendungsbeispiel: Temperaturdaten im Zusammenhang lesen

Betrachten wir eine hypothetische Produktionslinie mit automatisch aufgezeichneten Temperaturwerten. Zunächst empfiehlt sich die Prüfung, ob Geräteidentität, Einheit, Arbeitsbereich und verwendete Korrektur richtig zugeordnet sind. Anschließend werden Kalibrierergebnisse und erforderliche Messleistung gemeinsam bewertet. Ändern sich Einbauort oder Umgebungsbedingungen, ist die Bedeutung der Daten erneut zu prüfen. Die Bedienoberfläche sollte neben Zahlen auch Situationen verständlich machen, die eine Bewertung erfordern. Dies ist ein Beispiel und kein Kundenprojekt.

Wo sollte ein Unternehmen beginnen?

Wählen Sie einen Messpunkt, der die Produktannahme beeinflusst. Verknüpfen Sie Gerät, verantwortliche Person, Einsatzort und Unterlagen in einem gemeinsamen Verzeichnis. Legen Sie fest, wer Kalibrierergebnisse prüft und welche Produktaufzeichnungen bei Verdacht auf Nichtkonformität bewertet werden. Dokumentieren Sie Änderungen mit Datum und Verantwortung; betrachten Sie neben dem aktuellen Zertifikat auch frühere Trends. Dieser vorgeschlagene Ablauf verbindet Digitalisierung mit Messsicherheit. Ein einheitliches Kalibrierintervall oder eine einzige Annahmegrenze sollte nicht für alle Geräte vorausgesetzt werden.

Quellen

  1. jcgm.bipm.org · VIM 2.39
  2. jcgm.bipm.org · VIM 2.41
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